Newsletter November 2012

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

rechtzeitig vor dem Jahreswechsel möchten wir Sie mit unserem FAIR Services Newsletter über alle wichtigen, aktuellen Änderungen im Bereich der Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung auf dem Laufenden halten.

In diesem Jahr haben sich doch zum Teil wesentliche Änderungen im Steuer- und Handelsrecht ergeben, über die wir Sie nicht nur im Newsletter informieren wollen, sondern Sie auch gern persönlich beraten. Denn gerade jetzt wäre die richtige Zeit, gemeinsam darüber nachzudenken, ob Sie bzw. Ihr Unternehmen optimal auf die veränderten Bedingungen eingestellt sind.

Wir wünschen Ihnen zunächst viel Spaß beim Lesen und freuen uns über Ihre Anregungen und Ihre Fragen.

 

Ihr Team von

FAIR Services   

Inhalt

1. Nachträgliche Schuldzinsen bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung-BFH Urteil vom 20. Juni 2012

2. Verkauf von Betriebesvermögen des Gesellschafters an Zebrageselschaften - BFH Urteil vom 26. April 2012

3. Geplante und Beschlossene Änderungen der Mehrwertsteuersätze in der EU

4. Neues DBA mit den Niederlanden - Änderungen der Besteuerung von Anteilsverkäufenan Immobiliengesellschaften

5. Kurz informiert: weitere aktuelle / geplante Änderungen

6. Regierungsentwurf zum MicroBilG

7. Ausgewählte oder vorgeschlagene Neuerungen bei den International Financial Reporting Standards(IFRS)

1. Nachträgliche Schuldzinsen bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung - BFH Urteil vom 20. Juni 2012

 

Mit Urteil vom 20. Juni 2012 hat der BFH seine bisherige Rechtsprechung zur beschränkten Abziehbarkeit von Schuldzinsen bei Einkünften aus Vermietung und Verpachtung aufgegeben.

 

Nach bisheriger Rechtsprechung konnten die Schuldzinsen grundsätzlich nur innerhalb der Vermietungszeit als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung berücksichtigt werden. Schuldzinsen, die zeitlich nach der Aufgabe der Vermietung der Immobilie entstanden, konnten somit grundsätzlich nicht mehr einkommensmindernd berücksichtigt werden. Dies war insbesondere auch dann der Fall, wenn der Veräußerungserlös aus dem Verkauf der Immobilie nicht ausreichte, um das für die Anschaffung / Herstellung aufgenommene Darlehen zurückzuzahlen.

 

Mit der neuen Rechtsprechung erkennt der BFH nunmehr grundsätzlich die Abziehbarkeit von nachträglichen Schuldzinsen bei den Einkünften aus der Vermietung und Verpachtung an. Somit können nach Auffassung des Gerichts Schuldzinsen als nachträgliche Werbungskosten berücksichtigt werden, wenn das Gebäude veräußert wird, jedoch der Erlös nicht ausreicht um die Darlehensverbindlichkeit zu tilgen.

 

Unklar ist hingegen, ob die neuen Grundsätze des BFH auch in den Fällen anwendbar sind, bei denen die Veräußerung der Immobilien auf Grund des Ablaufs der 10jährigen Spekulationsfrist nicht mehr der Einkommensteuer unterliegt.

 

2. Verkauf von Betriebsvermögen des Gesellschafters an Zebragesellschaften - BFH Urteil vom 26. April 2012

Der BFH hatte mit Urteil vom 26. April 2012 zu der Frage Stellung genommen, ob und inwieweit stille Reserven durch die Übertragung eines Wirtschaftsgutes aus dem Betriebsvermögen des Gesellschafters in das Gesamthandsvermögen einer vermögensverwaltenden Personengesellschaft aufzudecken sind.

 

Im Rahmen dieses Urteils hat der BFH entschieden, dass die Übertragung eines Wirtschaftsgutes in das Gesamthandsvermögen einer vermögensverwaltenden Personengesellschaft nicht zur Aufdeckung von stillen Reserven führt, soweit der einbringende Gesellschafter an der Gesellschaft beteiligt ist. Begründet wird dies mit der steuerlichen Bruchteilsbetrachtung von Personengesellschaften. Demnach werden die Wirtschaftsgüter der Personengesellschaft den Gesellschaftern anteilig zugerechnet, soweit eine getrennte Zurechnung für die Besteuerung erforderlich ist.

 

Da das übertragene Wirtschaftsgut weiterhin dem einbringenden Gesellschafter im Umfange seiner Beteiligung zugerechnet wird, führt die Übertragung insoweit nicht zur Aufdeckung von stillen Reserven. 

 

3. Geplante und beschlossene Änderungen der Mehrwertsteuersätze in der EU

In den letzten Monaten gab es in vielen Ländern der EU Überlegungen, die Mehrwertsteuersätze im Rahmen der Konsolidierung der Staatshaushalte anzupassen. Derzeit ist der aktuelle Status-Quo ausgewählter Länder folgender:

 

Italien: Die vorgesehene Erhöhung des Regelsteuersatzes von derzeit 21 % auf 23 % sowie des reduzierten Steuersatzes von 10 % auf 12 % mit Wirkung zum 01.10.2012 wird verschoben auf den 01.07.2013. Die Entscheidung für die geplante Erhöhung der Steuersätze zum 01.07.2013 soll von der tatsächlichen Erreichung der Sparziele abhängig gemacht werden.

 

Kroatien: Die geplante Erhöhung des Regelsteuersatzes von 23 % auf 25 % wurde mit Wirkung zum 01.03.2012 umgesetzt.

 

Lettland: Der Regelsteuersatz wurde zum 01.07.2012 von 22 % auf 21 % gesenkt.

 

Niederlande: Die geplante Erhöhung des Regelsteuersatzes von 19 % auf 21 % wurde von der Regierung mit Wirkung ab dem 01.10.2012 umgesetzt.

 

Spanien: Die zunächst für 2013 geplante Erhöhung der Steuersätze wurde von der spanischen Regierung mit Wirkung zum 01.09.2012 vorgezogen. Der Regelsteuersatz wurde von 18 % auf 21 % erhöht und der ermäßigte Steuersatz von 8 % auf 10 %. Zudem wurde der Anwendungsbereich des ermäßigten Steuersatzes stark eingeschränkt.

 

Tschechien: Die Regierung in Tschechien hat vorgeschlagen, den Regelsteuersatz von 20 % auf 21 % sowie den ermäßigten Steuersatz von 14 % auf 15 % zu erhöhen. Diese Erhöhung soll mit Wirkung zum 01.01.2013 in Kraft treten.

 

Ukraine: Das ukrainische Parlament prüft derzeit Pläne, den einheitlichen Steuersatz zur Bekämpfung der Schwarzarbeit von derzeit 20 % auf 10 % zu senken.

 

4. Neues DBA mit den Niederlanden - Änderung der Besteuerung von Anteilsverkäufen an Immobiliengesellschaften

 

Am 12. April 2012 haben Deutschland und die Niederlande das neu ausgehandelte DBA unterschrieben. Das neue DBA tritt voraussichtlich am 01.01.2014 in Kraft.

 

Eine wesentliche Änderung im neuen DBA im Vergleich zum bisher gültigen DBA liegt in der Zuteilung des Besteuerungsrechtes für Gewinne aus dem Verkauf von Anteilen an sogenannten „Immobiliengesellschaften“ (Art. 13 Abs. 2 DBA n.F.). War bisher ein deutscher Anteilseigner an einer Immobiliengesellschaft mit holländischem Grundvermögen beteiligt oder umgekehrt, so hatte stets der Ansässigkeitsstaat des Anteilseigners gemäß Art. 8 Abs. 1 DBA a. F. das alleinige Besteuerungsrecht für den Veräußerungsgewinn. Nunmehr definiert das neue DBA eine eigenständige Verteilungsnorm für Gewinne aus der Veräußerung von Anteilen an Gesellschaften, deren Aktiva mittelbar oder unmittelbar zu mehr als 75 % aus unbeweglichen Vermögen bestehen. Bei Verkauf von Anteilen an solchen Immobiliengesellschaften soll zukünftig der Belegenheitsstaat der Immobilie gemäß Art. 12 Abs. 2 DBA n.F. ein Quellensteuerrecht haben. Für die Besteuerung von laufenden Einkünften aus der Vermietung und Verpachtung von unbeweglichen Vermögen gilt auch nach dem neuen DBA weiterhin ausschließlich das Belegenheitsprinzip.

5. Kurz informiert: Weitere aktuelle / geplante Änderungen

 

Einführung der elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale ELStAM mit Wirkung zum 01.01.2013: Der Gesetzgeber gewährt den Arbeitgebern eine flexible Regelung zur erstmaligen Anwendung des ELStAM Verfahrens. Arbeitgeber sind nunmehr verpflichtet, spätestens mit der Lohnabrechnung des Monats Dezember 2013 das ELStAM Verfahren anzuwenden. Bis dahin behält die Lohnsteuerkarte 2010 seine Gültigkeit.

 

Erleichterung für Kleinstkapitalgesellschaften (Micro-Richtlinie): Der Gesetzgeber hat einen Gesetzesentwurf zur Erleichterung der Bilanzierungs- und Offenlegungspflichten von sogenannten Kleinstgesellschaften auf den Weg gebracht. Solche Micro-Gesellschaften sollen zukünftig von der Aufstellung eines Anhangs befreit werden und ein vereinfachtes Bilanz-Gliederungsschema verwenden. Zudem werden Erleichterungen bei der Offenlegung eingeräumt. Die Erleichterungen sollen erstmalig für Wirtschaftsjahre, die nach dem 30.12.2012 enden, anzuwenden sein.

 

Auflösung des Freihafens Hamburg mit Wirkung zum 01.01.2013: Mit Gesetz vom 24.01.2011 hat der Gesetzgeber beschlossen, den zollrechtlichen und umsatzsteuerlichen Sonderstatus des Hamburger Freihafens aufzuheben. Dadurch ergeben sich zahlreiche Änderungen für die zollrechtliche Abfertigung im Freihafen. Zudem sind Lieferungen aus dem übrigen Bundesgebiet in den Freihafen ab dem 01.01.2013 nicht mehr als Ausfuhrlieferung steuerfrei, sondern unterliegen als Inlandslieferungen der deutschen Umsatzsteuer.

 

Anhebung der Minijob-Grenze auf € 450,00 ab dem 01.01.2013: Der Bundestag hat am 25.10.2012 die Anhebung der sogenannten Minijob-Grenze von € 400,00 auf

€ 450,00 beschlossen. Der Bundesrat hat diese Erhöhung am 23.11.2012 gebilligt, so dass die Anhebung mit Wirkung zum 01.01.2013 in Kraft treten kann.

 

6. Regierungsentwurf zum MicroBilG

 

Das Bundesministerium der Justiz hat am 31. Juli 2012 einen Referentenentwurf und am 19. September 2012 den Gesetzentwurf der Bundesregierung zum Kleinstkapitalgesellschaften-Bilanzrechtsänderungsgesetz (MicroBilG) veröffentlicht, der für Kleinstunternehmen Erleichterungen hinsichtlich Rechnungslegung und Offenlegung vorsieht.

 

Betroffen sind Kapitalgesellschaften und Personenhandelsgesellschaften ohne voll haftende natürliche Personen, die an zwei aufeinander folgenden Abschlussstichtagen mindestens zwei der nachfolgenden Größenmerkmale nicht überschreiten:

 

- 350.000 € Bilanzsumme nach Abzug eines auf der Aktivseite ausgewiesenen Fehlbetrags;

- 700.000 € Umsatzerlöse in den zwölf Monaten vor dem Abschlussstichtag;

- im Jahresdurchschnitt 10 Arbeitnehmer.

 

Hinsichtlich der Rechnungslegung brauchen Kleinstkapitalgesellschaften nur eine verkürzte Bilanz und eine vereinfachte GuV aufzustellen. Auf die Aufstellung eines Anhangs, kann - wenn einige wenige Angaben unter der Bilanz gemacht werden - verzichtet werden.

 

7. Ausgewählte oder vorgeschlagene Neuerungen bei den International Financial Reporting Standards (IFRS)

  1. Verbesserungen und Ergänzungen ausgewählter IFRS (Annual Improvements to IFRSs 2009–2011 Cycle)
  1. IASB-Entwurf zur Verbesserung und Ergänzung ausgewählter IFRS (Annual Improvements to IFRSs 2010-2012 Cycle)
  1. Änderungen zu IFRS 10 Konzernabschlüsse, IFRS 11 Gemeinschaftliche Vereinbarungen und zu IFRS 12 Angaben zu Beteiligungen an anderen Unternehmen
  1. Überarbeiteter IASB-Entwurf zur Erlöserfassung
  1. Vorgeschlagene Neuerungen bei der Leasingbilanzierung
  1. Vorgeschlagene Neuerungen bei der Bilanzierung von Finanzinstrumenten

 

Die Ausführungen besitzen nur allgemeinen Charakter und stellen keine Beratungsleistung dar. Für Detailfragen stehen wir Ihnen selbstverständlich gern zur Verfügung.

FAIR AUDIT GmbH & Co. KG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft 

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Geschäftsführer / Directors: Kay Harder, Wirtschaftsprüfer; Michel Geries, CPA (Isr.); Rick Stubley, ACA (UK)

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